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Hase
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Hase
1990 - 31.12.2004

Wir liebten diesen Kater von ganzem Herzen und hatten ein sehr schönes Leben mit ihm. Er hatte einen Velourkopf und roch nach Butterkeks. An seinem Hals waren so stattliche Fellbüscheln wie bei Tigern. Seine Brust war weiß, und seine Nase braun. Die Schnurrhaare rechts waren auf einem braunen Flecken und einzeln umrandet von ganz dunkler Farbe, und links von der Nase war er weiß. Er war sehr groß und wunderschön. Sein Bauch war ganz fluffig und weich, ich weiß immer noch, wie es sich angefühlt hat, wenn ich mein Gesicht hineingedrückt habe. Wenn man ihn so auf den Arm genommen hat, dass sein Bauch nach oben zeigte, machte so große Comicpfoten und protestierte ein bisschen, meistens gefiel es ihm aber.

Zur Mittagszeit kam er immer pünktlich in mein Büro und nervte, wenn ich nicht gleich aufstand. Er wollte dann nicht auf meinen Schoß, sondern sich unterhalten und vor allem rumgetragen werden, jden Tag dieselbe Tour durch die Wohnung, mit Halt an seinem Lieblingsfenster im Kinderzimmer, wo wir eine Weile aus dem geöffneten Fenster sahen. Dann trug ich ihn nach unten, während es sich an mir rieb und gurrte, und es gab Mittagessen. Erst er, natürlich, dann ich, und er unterbrach immer sein Fressen, wenn ihm meins interessanter erschien. Dann umkreiste er mich wie ein Hai.

Er kam immer, wenn sich etwas Interessantes tat: Tüten oder Kisten auspacken, Abseite aufmachen, Weihnachtssachen auspacken. Wäscheaufhängen fand er auch gut, er saß fast immer unter dem Wäscheständer dabei. Wir spielten mit Mäusen werfen oder mit Fellkugeln, oder rauften und verfolgten uns gegenseitig. Es machte ihn wahnsinnig, wenn man sein Vorderbein in die Hand nahm, dann wurde er ganz wild. Oder wenn man seinen Bauch wuschelte beim Spielen. Ich hab immer so gerne meinen Finger in die Unterseite seiner Pfoten geschoben, so dass alle Krallen raus kamen. Er hat an den Pfoten immer so gut gerochen.

Wir wissen nicht, woher er kam, er tauchte 1991 eines Tages in der Garage von Nachbarn auf. Günthers Eltern haben ihn aufgenommen. Sein geschätztes Alter war ein Dreivierteljahr damals. Ich selbst habe ihn erst kennen gelernt, als er drei war. Als Günther und ich zusammenzogen, wollten wir uns eine Katze aus dem Tierheim holen, nahmen dann aber doch Hase zu uns. Moritz hieß er bis dahin, ich weiß auch nicht, wieso er plötzlich Hase hieß, vielleicht wegen seinen Hasenbeinen? Er hieß auch Schnurzbär (oder Stinkbär, bei manchen Anlässen). Manchmal auch Tiger, denn er sah nicht nur so aus, er bewegte sich auch sehr tigermäßig.

In jüngeren Jahren fing er viel Mäuse, aller Größenordnungen, manchmal mehrere in einer Nacht. Meistens brachte er sie zu uns, damit wir sie bestaunen konnten, bevor er sie fraß. Das letzte, was er brachte, war ein Maulwurf - den hat er auch nicht gefressen, uns aber vors Schlafzimmer gelegt. Er blieb ganze warme Sommernächte draußen, meistens ging ich aber und suchte ihn, weil ich nicht schlafen konnte, wenn ich nicht wusste wo er war. Meistens fand ich ihn beim Holzstoß am Haus gegenüber, ein Mäuseparadies, und er fand es sehr unmännlich, dass ich ihn einfach von dort wegtrug.

Er musste oft umziehen in seinem Leben: einmal mit Günthers Eltern, dann zu uns, und mit uns auch noch zweimal. Seine letzte Wohnung war das Paradies: viele Treppen, Nischen und Winkel, ein ganzes Stockwerk nur für ihn: unter dem Dach die gemütlichen Sessel in der "Bibliothek". Dort lag er meistens tagsüber in seinem Sessel, und ich konnte ihn dort von meinem Schreibtisch aus sehen. Ich habe mich jedes Mal gefreut, ihn dort zu sehen. Ich bin so dankbar, dass er bei uns war, und zuhause zu arbeiten, so konnte ich jeden Tag mit ihm verbringen.

Er drehte durch, wenn er Hähnchen roch oder Schinken, da vergaß er sich völlig und wurde zum wilden Tier. Ansonsten war er aber ein ganz besonders lieber Hase. Er war so ausgeglichen und schmusig - auch wenn er bis aufs Blut mit uns gerauft hat. Er hat sich immer mit uns unterhalten und konnte sich auf dem Sofa oder im Bett oft nicht entscheiden, zu wem er kommen sollte, so dass er uns meistens nacheinander besuchte und dann nach oben in seinen Sessel ging, oder sich zwischen uns legte. Einmal wachte Günther nachts auf und sah, dass Hase und ich Löffelchen schliefen: er hinter mir, Kopf auf dem Kissen. Mitbekommen habe ich das sonst nur morgens, da kam er oft im Bett in meinen Arm, Kopf auf dem Kissen und Pfote um meinen Hals gelegt. Manchmal schlief er so ein, da traute ich mich kaum zu atmen, so ein kostbarer Moment war das.

größer Es hat ein Jahr gedauert, bis er im Bett nicht nur an den Füßen lag, sondern auch zu uns nach oben kam. Jeden Abend, wenn ich ins Bett ging und er das mitbekam, kam er auch ins Bett. Wenn er den Zeitpunkt verschlief, holte ich ihn einfach von seinem Lieblingssessel ab ins Bett, und er schlief schnurrend bei mir wieder ein.

Oft krähte er uns an, wenn wir in der Wohnung unterwegs waren, und dann konnte man sich irgendwohin setzen, auf die Treppe oder auf den Boden oder sonst wohin, er kam schnell auf den Schoß gestiefelt und schnurrte glücklich. In seinen Augen waren wir nur für ihn da, und das war auch richtig so. Auch wenn es zugegeben manchmal etwas nervig war; wenn man konzentriert an etwas arbeitete oder wenn ich mit einem Kunden telefoniert habe und Hase sich dabei laut maulend durch die Tür gekratzt hat. Meistens habe ich ihn dann - nach dem üblichen zum Fenster rausgucken - an seine Fressschüssel getragen, die noch voll war, und er fing sofort an zu fressen. Er kam aber nie auf die Idee, wenn er hungrig war, erst mal zu schauen, ob noch was in seiner Schüssel war, er kam immer erst zu einem von uns.

größer Sobald jemand aus einem Zimmer kam oder sich rührte, saß - schwupps - der Hase auch da. Er kam auch immer, wenn er den Telefonlautsprecher hörte oder das Telefonpiepsen beim AB-Einstellen. Ich weiß nicht, wieso, Telefonklingeln allein ließ ihn kalt. Tischdecken hat ihn natürlich immer angelockt, wie aus dem Nichts saß er auf einmal unter dem Tisch, direkt hinmaterialisiert, aus dem Tiefschlaf. Meistens hat auch schon das Ausräumen der Spülmaschine gereicht, ihn anzulocken. Dann saß er völlig verschlafen, leicht schwankend vor Müdigkeit da, wollte eigentlich gar nicht fressen und wusste offensichtlich selbst nicht, wieso er jetzt eigentlich gekommen war.

Hase wurde 14 Jahre alt. Am 27.12.2004 ging es ihm sehr schlecht; in der Tierklinik wurde eine schwere Arrhythmie festgestellt, sein EKG hatte kein erkennbares Muster, und er war völlig dehydriert. Schlechte Blutwerte, sehr schlechte Leberwerte, viele Entzündungsmarker im Blut. Er hatte eine hypertrophe Kardiomyopathie (HKM, verdickte Herzwände), schon länger unerkannt. Und er hatte eine Peritonitis, eine Flüssigkeitsansammlung voller entzündlicher Produkte im Bauchraum, am nächsten Tag auch noch einen Erguss im Brustraum. Er musste an Silvester 2004 eingeschläfert werden und ist in meinem Arm gestorben.

Im Nachhinein zeichnete sind sein schlechter Zustand schon länger ab: im Mai magerte er sehr ab, während Günther und ich zwei Wochen in Urlaub waren. Bis dahin hat er unsere Urlaube immer gut verkraftet, er hatte nie vorher Futter verweigert. Danach war er erkältet und wurde immer heikler mit dem Essen. Früher war er ja sehr moppig ... in seiner moppigsten Zeit wog er siebeneinhalb Kilo, hat ständig Mäuse gefangen und buchstäblich alles gefressen. Im Juni wog er nur noch viereinhalb Kilo. Eine tierärtzliche Untersuchung im Sommer ergab aber keine Krankheit; die TA meinte sogar, es sei gut für ihn, dass er nicht mehr so dick war. Bei der Blutuntersuchung waren lediglich die Leberwerte leicht erhöht, aber nicht im kritischen Bereich. Im Herbst merkten wir, dass er die Krallen seiner linken Beine nicht mehr ausfahren konnte. Außerdem saß er mit der Zeit so schief da, dass wir uns doch Sorgen machten - er saß schon seit ungefähr einem Jahr immer leicht schief da, wir dachten, das sei das Alter. Aber ein erneuter Besuch beim Tierarzt zeigte, dass es neurologische Beeinträchtigungen waren - "das Alter eben ...", meinte der Tierarzt.

 

 

1997 haben wir Fotos von ihm gemacht. Dieser Film lag drei Jahre vergessen im Schrank; erst im Herbst 2000 haben wir ihn entwickeln lassen. Die Qualität der Fotos ist nicht sehr gut, trotzdem folgen einige hier. Viele Bilder finden sich auch unter pics.

schamlos
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hat was entdeckt ...
Hat was entdeckt ...
hebt die Pfote ...
... hebt die Pfote ...
da ist jede Beute schon längst über alle Berge.
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hilfsbereit
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faul halt
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Diesen Teppich hat er innerhalb von 6 Monaten kleingekriegt
Diesen Teppich hat er innerhalb von 6 Monaten kleingekriegt

Bescherung
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